Alte Stadt Lucca

Die Stadt Puccinis und des Comics

18.02.2008 Gisela Dürselen

75 Kilometer östlich von Florenz und abseits der Touristenströme liegt die Stadt Lucca: ein Geheimtipp für Toskanareisende

Es gibt drei gute Gründe, auf dem schnellen Weg von Florenz nach Pisa abzubiegen und der Stadt Lucca einen Besuch abzustatten: der Komponist Giacomo Puccini, das Jazzfestival im Sommer und das internationale "Comic and Games"-Spektakel, zu dem jedes Jahr Anfang November Künstler aus der ganzen Welt kommen.

Vier Kilometer langer Festungsring

Und es gibt noch einige Gründe mehr, Lucca auch außerhalb der Veranstaltungssaison zu genießen. Zum Beispiel den imposanten Festungsring aus dem 16. Jahrhundert, vier Kilometer lang und acht Meter breit: Auf dieser Mauer treiben die Luccheser an kühlen Winternachmittagen Sport; an heißen Sommertagen aber genießen sie die kühlen Winde, die vom Apennin herunter wehen und auf der Stadtmauer immer zu spüren sind. Unvergesslich ist die Atmosphäre dieser Stadt, deren Gründung vor den Römern erfolgte, und die sich ihren altertümlichen Charme bis heute bewahrte. Wegen ihres Flairs wird die Stadt Lucca, zirka 30 Kilometer von Pistoia, auch das Freilichtmuseum der Toskana genannt.

Der berühmte Meister

Freunden klassischer Musik ist Lucca als die Geburtsstadt des großen Meisters Giacomo Puccini bekannt, des berühmtesten Komponisten Italiens, geboren am 22. Dezember 1858 an der Corte San Lorenzo. Das Geburtshaus ist nur von außen zu besichtigen, vor dem Haus steht eine Bronzefigur Puccinis: lebensecht mit Zigarre, denn Puccini war Kettenraucher. Wer Originalpartituren, Schriftstücke und Musikinstrumente besichtigen möchte, fährt ins wenige Kilometer entfernte Torre del Lago, wo der Meister ab 1891 gelebt hat und die jährlichen Puccini-Festspiele stattfinden. Rund 40.000 Besucher kommen jedes Jahr wegen Puccini nach Torre del Lago. In der Familienkapelle im Garten der ehemaligen Puccini-Villa liegt der Meister begraben.

Fast 150 Jahre Comic

Comicfreunde kommen in Lucca nicht nur beim jährlichen Comic and Games-Festival auf ihre Kosten: Im Museo del Fumetto an der Piazza San Romano gibt es das ganze Jahr über Comics vom Feinsten zu sehen. Das Museum ist in einer ehemaligen Kaserne untergebracht und zeigt auf ein paar hundert Quadratmetern die Geschichte des Comics von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zu sehen sind Originalzeichnungen, Skizzen und Poster, lebensgroße Figuren und virtuelle Szenenbilder aus der Welt von Walt Disney, Batman, Tarzan und Co - außerdem Zeichentrickfilme für Erwachsene, Science Fiction und erotische Comics der 1960er Jahre. Die aufregende Zeitreise beginnt mit der ersten Zeitschrift für Kinder, dem "Frugolino" im Jahre 1880 und endet mit der Gegenwart. Schrifttafeln erläutern Herstellung und Zweck der Comics: In den USA beispielsweise lernten die Neuankömmlinge mit Hilfe der Comicbilder die englische Sprache.

Stadt der Antiquitäten und des Volto Santo

Wer sich mehr für alte Möbel als für Comics interessiert, sollte jeweils am dritten Wochenende eines Monats nach Lucca kommen: Dann ist in Lucca Antiquitätenmarkt. Der Markt soll der zweitgrößte in der Toskana sein, und Händler aus dem weiten Umkreis bieten ihre Raritäten und Schnäppchen an.

Der Antiquitätenmarkt ist im Umkreis des Doms San Martino, und wer schon einmal da ist, für den lohnt sich auch der Blick in den Dom hinein. Der Dom beherbergt nämlich den berühmten Volto Santo, das heilige Antlitz: ein hölzernes Kruzifix mit dem Gekreuzigten. Der Volto Santo soll das wahre Gesicht Christi darstellen und ist der Stadtpatron Luccas, um den sich eine mysteriöse Legende rankt: Der Pharisäer Nikodemus soll ihn in Jerusalem aus einem einzigen Stück Libanon-Zeder geschnitzt haben. Ein Engel soll ihm bei der Arbeit die Hand geführt haben. Während der Christenverfolgung soll der Volto Santo an einem geheimen Ort versteckt gewesen und eines Tages dem offenen Meer anvertraut worden sein. Nachdem das führerlose Schiff an der italienischen Küste gestrandet war, wollten die Gläubigen Gott selbst den künftigen Standort des Bildnisses überlassen. Sie hoben das Antlitz auf einen Karren und ließen diesen von zwei ungezähmten jungen Stieren ziehen. Die Tiere liefen schnurstracks nach Lucca, was den Lucchesern als ein Zeichen galt. In späteren Jahren sind eine Reihe weiterer Geschichten um den angeblich wundertätigen Volto Santo entstanden.

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Blick auf die Stadt vom Torre Guinigi , (Copyright: C. Vincon) Blick auf die Stadt vom Torre Guinigi
Innenhof des Comicmuseums, (Foto: G. Dürselen) Innenhof des Comicmuseums
Originale und lebensgroße Figuren im Comicmuseum, (Foto: G. Dürselen) Originale und lebensgroße Figuren im Comicmuseum
Der große Meister Giacomo Puccini, (Foto: G. Dürselen) Der große Meister Giacomo Puccini
An der Via delle Fosse, (Foto: G. Dürselen) An der Via delle Fosse